Die marktbasierte Vergabevon marktraumüberschreitenden Zusatzkapazitäten

more capacity: Marktbasierte Vergabe neuer marktraumüberschreitender Kapazitäten

Was ist more capacity?

Die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) GASCADE Gastransport GmbH, Gasunie Deutschland Transport Services GmbH und ONTRAS Gastransport GmbH haben ergänzend zum Verfahren des Netzentwicklungsplanes vom 21. August 2015 bis zum 16. Oktober 2015 eine Marktabfrage zur Ermittlung des Bedarfs neuer Transportkapazitäten für H-Gas an den Grenzen des Marktgebietes GASPOOL durchgeführt. Ziel dieser Marktabfrage war, den künftigen Bedarf für neue marktraumüberschreitende Transportkapazitäten so früh und so realistisch wie möglich einschätzen zu können. Sie soll die sachgerechte Entwicklung der betroffenen Gasfernleitungsinfrastruktur unterstützen.

Über die im Rahmen der Abfrage unverbindlich eingereichten Anfragen wurde zunächst ermittelt, ob der angemeldete Bedarf für eine weitergehende Planung neuer Ausbauvorhaben grundsätzlich ausreicht (Nachfrageanalyse). Die gesammelten Anfragen wurden im Rahmen von technischen Studien je Marktraumgrenze für die Dimensionierung verschiedener Angebotslevel verwendet.

Die Vermarktung dieser neuen Kapazitäten erfolgt mittels verbindlicher Kapazitätsvergabeverfahren. Im Rahmen von Auktionen wird der zusätzliche Kapazitätsbedarf der Marktteilnehmer final geprüft und in verbindliche Buchungen überführt, die wiederum die Basis für notwendige Investitionen im jeweiligen Fernleitungsnetz darstellen.

Warum wird more capacity durchgeführt? Warum jetzt?

Die FNB starteten diese Marktabfrage aufgrund mehrerer mündlich und schriftlich gestellter Einzelanfragen. Ziel ist es, den gesamten Markt auf einheitlicher Basis transparent und diskriminierungsfrei zu befragen, das Interesse so zu verifizieren und bei gesicherter Nachfrage neue Kapazitäten bereitzustellen.

Um sich ein Bild darüber machen zu können, welche zusätzlichen Kapazitäten vom Markt benötigt werden, entschlossen sich die FNB, den im Folgenden näher beschriebenen Prozess zur marktbasierten Vergabe neuer marktraumüberschreitender Kapazitäten zu initiieren, der nach heutiger Einschätzung der FNB einen geeigneten Verfahrensablauf darstellt.

Der von den FNB vorgesehene Prozess ist in zwei Phasen aufgeteilt: eine unverbindliche Phase zur Ermittlung des Bedarfs, dessen Analyse und Überführung in mögliche Ausbauprojekte sowie eine verbindliche Phase zur Vergabe und Bereitstellung der neuen Kapazitäten. 

Ablauf

Der nachfolgende Zeitplan skizziert die angestrebten Schritte im Prozess zur marktbasierten Vergabe neuer Kapazitäten (Klick zum Vergrößern).

1. Start des Prozesses

Die FNB starteten den Prozess am 21.08.2015. Die Marktteilnehmer waren aufgefordert, mit einem Anfrageformular ihr Interesse an neuen marktraumüberschreitenden Kapazitäten unverbindlich mitzuteilen.

Die Teilnehmer verpflichteten sich mit Abgabe des Anfrageformulars zur Zahlung eines Teilnahmeentgelts, sofern die beteiligten FNB dieses erheben. Details finden Sie in den Teilnahmebedingungen.

2. Frist zur Abgabe von unverbindlichen Kapazitätsanfragen

Die Frist zur Abgabe von Kapazitätsanfragen endete am 16.10.2015, 12 Uhr. Danach eingehende Anfragen wurden nicht berücksichtigt. 

3. Erstellung einer Nachfrageanalyse

Nach Abschluss der Marktabfrage haben die FNB die fristgerecht eingegangen Kapazitätsanfragen analysiert und zusammengefasst. Es erfolgte für jede Marktraumgrenze eine aggregierte Aufstellung des nachgefragten Kapazitätsbedarfes. Dabei wurden Höhe, Dauer und Produktqualität ausgewiesen.

Reichen die Bestandskapazitäten und aktuell geplante Ausbaumaßnahmen an den Marktraumgrenzen aus, um die angefragten neuen Kapazitäten zu decken? Dieser Frage wurde im nächsten Schritt nachgegangen. Zeitraum dieser Teilanalyse war das erste angefragte und die drei darauf folgenden Gaswirtschaftsjahre. Soweit kein langfristiger Bedarf durch das historische Buchungsverhalten der Transportkunden abgeleitet werden konnte, sollen die sich ergebenden langfristig vermarktbaren Kapazitäten bei der Beurteilung des langfristigen Bedarfs an neuen Kapazitäten berücksichtigt werden. Darüber hinaus wurde der identifizierte Bedarf aus dem europäischen Netzentwicklungsplan (TYNDP) 2015 berücksichtigt, soweit dieser nicht im NEP 2016 enthalten ist.

Nach Abschluss dieser Prüfungen wurde entschieden, ob die Anfragen die Durchführung technischer Studien für neue Projekte rechtfertigen. Das Ergebnis ist in der im Dezember 2015 veröffentlichten Nachfrageanalyse nachzulesen. 

Sofern weder einzeln abgegebene unverbindliche Anfragen noch die Anfragen in Summe ausreichen, um ein Projekt zu rechtfertigen, endet der Prozess mit Veröffentlichung der Nachfrageanalyse.

4. Modellierung und Konzeption des erforderlichen Ausbaubedarfs

Auf Basis des im Rahmen der Nachfrageanalyse festgestellten marktraumüberschreitenden Kapazitätsbedarfes haben die FNB von Anfang November 2015 bis Ende März 2016 technische Studien je Marktraumgrenze erstellt (Modellierung und Konzeption).

Im Rahmen der Studien wurden die notwendigen technischen Ausbaumaßnahmen wie beispielsweise neue Leitungsverbindungen, Einspeise- und Ausspeisestationen sowie neue Verdichterstationen ermittelt. Aber auch die sinnvolle Erweiterung bestehender Infrastruktur durch strömungsmechanische Berechnungen für ein oder mehrere Angebotslevel je Marktraumgrenze war Teil der Modellierung. 

Nach Abschluss dieses Schrittes wurden netzpunktscharf Angebotslevel definiert, die sich, sofern vorhanden, aus bestehenden und neuen Kapazitäten zusammensetzen. Hieraus wurden individuelle Ausbauvorschläge sowie eine erste Indikation für die erforderlichen Investitionen abgeleitet.

Um mögliche Verbindungen zu Projekten, die Teil des NEP 2016 sind, frühzeitig zu erkennen und für die Regulierungsbehörde zusammenzuführen, wurden die technischen Studien mit der Modellierung des NEP 2016 zeitlich synchronisiert. 

Die ermittelten Angebotslevel für neue marktraumüberschreitende Kapazitäten wurden ab April 2016 in einem eigenständigen Prozess weiter bestimmt. Die jeweilig zugrunde liegenden Ausbaumaßnahmen sind zum Teil Gegenstand des NEP 2016.

5. Öffentliche Konsultation

 

Nach Abschluss der notwendigen Vorarbeiten (Prozessschritte 3 und 4) führten die FNB eine vierwöchige öffentliche Konsultation durch. Im Rahmen dieser Konsultation wurden Marktteilnehmer um Feedback bzgl. der definierten Angebotslevel, der Projektbeschreibungen und des weiteren Prozesses gebeten. Die entsprechenden Inhalte wurden zuvor der Bundesnetzagentur vorgestellt sowie rechtzeitig vor Konsultationsbeginn veröffentlicht. Die Konsultationsergebnisse wurden bei der anschließenden Definition der finalen Angebotslevel, berücksichtigt. Die Höhe der finalen Angebotslevel werden Anfang Februar 2017, rechtzeitig vor der im März 2017 stattfindenden Jahresauktion, auf den Internetseiten der Europäischen Kapazitätsplattform PRISMA  und bei more capacity veröffentlicht.

6. Abstimmung mit der Bundesnetzagentur

Ausgehend von den vorläufigen Angebotslevel sowie den zuvor entwickelten Ausbauvorschlägen wurden im nächsten Schritt von den FNB die Bedingungen zur Durchführung der Auktionen und gegebenenfalls ökonomischen Tests für neue Kapazitäten mit der Bundesnetzagentur erörtert. 

Neue technische Kapazitäten sollen zu variablen Tarifen und für einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren ab der Inbetriebnahme angeboten werden. Aufgrund neuer europäischer Regelungen prüfen die FNB bis Ende 2017, ob statt variabler Tarife auch feste Tarife berechnet werden können.

7. Öffentliche Ankündigung der Auktionen

Im nächsten Schritt wird der Markt Anfang Februar 2017 über die Durchführung der Auktionen auf PRISMA informiert. Die öffentliche Ankündigung gibt Auskunft über Auktionstermin und ‑ablauf, Angebotslevel an entsprechenden Grenzübergangspunkten sowie die erwartete Mindestnachfrage für positive ökonomische Tests. 

8. Kapazitätsauktionen

Die Zuweisung neuer Kapazitäten erfolgt schließlich über die Auktionen unterschiedlicher Angebotslevel mit den jeweiligen Startpreisen. Hierbei soll der gleiche Auktionsalgorithmus Anwendung finden, der bereits für Jahresauktionen als Standard genutzt wird. 

Unmittelbar nach Auktionsende werden die Auktionsergebnisse veröffentlicht. Diese sind Grundlage für die anschließende wirtschaftliche Bewertung. Damit soll die grundsätzliche Wirtschaftlichkeit der auktionierten Angebotslevel beurteilt werden. Prinzipiell werden hierbei die Barwerte der einzelnen Netzentgelterlöse den jeweiligen zusätzlichen Erlösobergrenzen, welche sich aus dem Kapazitätsausbau ableiten, gegenüber gestellt. Die Netzentgelterlöse ergeben sich aus den neuen, vom Markt kontrahierten Kapazitäten. Sind die Barwerte der einzelnen Netzentgelterlöse größer gleich der jeweiligen zusätzlichen Erlösobergrenzen, gilt der ökonomische Test als positiv. 

Bei den ökonomischen Tests ist geplant, das regulatorische Netzentgelt zu berücksichtigen, welches sich aus den Erlösobergrenzen für die geplanten Investitionskosten ableitet. Eventuell entstandene Auktionsaufschläge werden ebenfalls berücksichtigt.

Nach dem Abschluss der Kapazitätsauktionen für marktraumüberschreitende neue Kapazitäten soll das Angebotslevel realisiert werden, welches bei einer positiven wirtschaftlichen Bewertung die größte Menge neuer Kapazität zur Verfügung stellt.

Bei erfolgreicher Teilnahme an den Auktionen erwirbt der Transportkunde eine Kapazitätsbuchung in dem höchsten positiven Angebotslevel.

9. Planungs- und Bau-Aktivitäten

Mit den verbindlichen Auktionen werden die Planungs- und Vorbereitungsarbeiten für die erforderlichen Ausbauprojekte je nach vorliegenden wirtschaftlichen und regulatorischen Bedingungen weiterentwickelt. Dazu zählen beispielsweise Ingenieurleistungen, das Einholen der erforderlichen öffentlich-rechtlichen Genehmigungen und die Beschaffung von Material und Bauleistungen. Anschließend beginnt die Bauphase.

10. Berücksichtigung der auktionierten neuen Kapazitäten spätestens im NEP 2018

Derzeit gehen die FNB davon aus, dass die Auktionsergebnisse (vgl. Prozessschritt 8) als festgestellter Kapazitätsbedarf in den Prozess des NEP 2018 aufgenommen werden, sofern Anteile sie es nicht schon im NEP 2016 sind.

11. Bestätigung der Ausbaumaßnahmen spätestens im NEP 2018 durch die Bundesnetzagentur

Die Bestätigung des NEP 2016 wird voraussichtlich im 2. Quartal 2017 und die des NEP 2018 im 4. Quartal 2018 durch die Bundesnetzagentur erfolgen.